Soshisha
Das Zentrum für die Minamatakrankheit
Stimmen aus Minamata



Home
Wir über uns
Das Projekt
10 Fakten über Minamata
Ausstellung
Stimmen aus Minamata
Vom Traum zur Wirklichkeit
Umweltkonferenz Stockholm'72
Bücher und Videokassetten
Impressum

Stimmen aus Minamata

Iwamoto Hiroki*: Die Wahrheit war bekannt

Die Fischerei und die Katastrophe

Nach meiner Entlassung als Soldat kehrte ich nach Messhima zurück und begann mit der Fischerei. Da ich zunächst wenig erfolgreich war, suchte ich über meine alten Verbindungen zu Showa Denko eine Stelle bei Chisso in Minamata. Damals wurden dort bevorzugt Leute eingestellt, die in Südkorea gewesen waren, aber ich fand doch keine Anstellung. Der ältere Bruder meiner Frau als vorsitzender Fischer, schlug mir schließlich vor, dort (bei Minamata) zu fischen und so blieb ich dabei.

Liebe Leser, wie Ihnen vielleicht bekannt sein dürfte, so liegt Messhima etwas von Minamata entfernt, aber dennoch gab es hier sehr viele Opfer der Minamatakrankheit. Sicherlich fragen Sie sich jetzt, woran das liegt.

Die Arbeit der Fischer unterschied sich von Ort zu Ort und von Dorf zu Dorf. Beispielsweise war es in der Gegend um Hakariishi und in Ashikita so, dass man Schleppnetze gebrauchte, in Tsunagi fischte man mit Zugnetzen und in Messhima mit Reusen. Infolgedessen kamen die Fischer auch häufig in die Bucht von Minamata und wahrscheinlich traten deshalb so viele Krankheitsfälle auf.

An der Einfahrt zur Bucht von Minamata befindet sich ein Ort namens Myoujin. Dort wohnte der Großvater meines Freundes Hirakida, der ebenfalls aus Messhima stammte und der mir immer wieder mal Teile seines bei Minamata gefangenen Fisches überließ. Nur wenige Meter weiter wohnte die Familie Kaneko Mataichi. Herr Kaneko war noch in Gefangenschaft und noch nicht zurückgekehrt, er kam erst 1946 wieder nach Minamata.

Als ich dann als erster die Minamatakrankheit bekam, erzählten mir die Nachbarn Dinge wie: "In Minamata essen sie nun auch in Yodo, Modo und Tsukinoura, wo sonst immer viel Fisch gegessen wird, nicht mehr so viel Fisch. Du hast dir sicherlich eine seltsame Krankheit eingefangen."

Es war wirklich merkwürdig. "Man sollte den Fisch besser grillen und kochen", wurde gesagt und wir hielten uns daran.

Damals gab es in der Nähe des Hyakken-Abwasserkanals im Winter (Januar/Februar) junge Forellen. Sie waren im Meer aufgewachsen, etwa 4-5 cm groß und hatten die Angewohnheit in den Fluss zu schwimmen. Diese Forellen starben aber und waren reinweiß. Dennoch haben wir auch dort gearbeitet.

In Messhima lebte eine Familie namens Fukumatsu, bei der die Symptome besonders schlimm ausbrachen. Es war der Vater von Tadahiro. Er arbeitete viel in der Nähe von Hyakken und fing viele Sardinen, etwa eine bis zwei Schiffsladungen. Immer wenn er welche mitbrachte, halfen wir ihm bei der Verarbeitung, wenn er uns darum bat, denn unsere Eltern waren miteinander verwandt.

Damals war das Jahr 1949 und man konnte mit neuen Methoden Fischen. Jeder, der konnte, half Herrn Fukumatsu beim Zubereiten der Sardinen.

Nachdem die Sardinen gekocht und getrocknet waren, aßen die Katzen die Reste auf. Wir hatten 24 Katzen, aber nachdem sie aus den Kochtöpfen gegessen hatten, starben sie alle.

Da diese Sardinen beim Hyakken-Abfluss gefangen worden waren, waren sie besonders stark belastet. Auch wenn man sie gut wusch und briet, so waren die Schadstoffe in den Kiemen. Als ich die Katzen sterben sah, dachte ich mir: "Hmm, dass sollte ich wohl besser nicht essen...." Aber bis dahin hatte ich einfach alles unbedacht gegessen. Gerade die Fischer bauen ja meist kein Gemüse an und essen daher morgens, mittags und abends Fisch, egal ob roh, gekocht oder gebraten. Aber von da an habe ich das Ganze beobachtet.

Da die jungen Leute alle im Krieg gewesen waren, hatte es nicht genügend Leute gegeben, die mit anpacken und deshalb war das Shiranuimeer voller Fische. Darunter eben auch Sardinen und Anchovis. Für die damalige Fischereiwirtschaft in der Präfektur Kumamoto ergab es sich, dass am meisten Anchovis aus dem Shiranuimeer gefangen worden sind. Wie ich vorhin bereits erwähnte, so entwickelten sich seit 1949 neue Fischfangmethoden und obwohl ich glaube, dass es damals noch viele Leute gab, die diese noch nicht kannten, machte die Fischereiwirtschaft auf jeden Fall Fortschritte. Auf einmal gab es Schiffe mit richtiger Beleuchtung und mehreren austauschbaren Netzen, mit denen man 3-4 Ladungen, insgesamt über 3 Tonnen fischen konnte!

weiter ...

Seite Zurück Weiter Kapitel Zurück Home
BeckSW Web Design by Beck Datentechnik