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Soshisha Das Zentrum für die Minamatakrankheit Stimmen aus Minamata |
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Stimmen aus Minamata2. Sasaki Kiyoto: Der Ausgangspunkt ist der Tod meines VatersDas Leben am Meer von MesshimaIhnen allen einen Guten Abend! Ich wohne derzeit in einem kleinen Ort namens Messhima bei Ashikita. Da ich Vorsitzender der Minamatapatientenvereinigung bin, möchte ich Ihnen heute unsere Sicht der Dinge näher bringen.Jedoch habe auch ich mit der Minamatakrankheit so meine Erfahrungen gemacht, und auch heute weiß ich nicht so wirklich, wie ich über diese Erfahrungen während der letzten, nahezu 40 Jahre, denken soll. Bitte entschuldigen Sie vielmals, aber bevor ich damit beginne, über die Patientenvereinigung zu sprechen, möchte ich zunächst über meine persönlichen Erfahrungen berichten. Zunächst stelle ich mich Ihnen einmal vor. Ich wohne etwa 20 km von Minamata entfernt in Messhima bei Ashikita. Messhima ist nur ein kleines Dorf und ich wohne direkt an der Küste. Die Menschen hier sind immer arm gewesen, aber sie leben alle friedlich beisammen und deshalb wohne ich dort wirklich gerne. Ich bin Fischer in der 3. Generation und habe auch den Posten als örtlicher, vorstehender Fischer geerbt. Bis um das Jahr 1955 herum war Messhima ein wirklich armer Ort und der Fischfang die Haupteinnahmequelle. Zwar kann ich den Anteil der Einwohner, die Fischer waren nicht mit anderen Dörfern vergleichen, aber es gab damals genug Arbeit. Dies änderte sich jedoch mit dem Ausbruch der Minamatakrankheit. Für uns war der wichtigste Platz zum Fischen die mittlerweile trockengelegte Bucht von Minamata. Damals war die Bucht von Minamata reich an Fischen und wir sind deshalb immer extra dorthin gefahren. Ab 1955 tauchten die ersten Gerüchte über die Minamatakrankheit auf. Obwohl wir davon gehört hatten, sprachen wir mit niemandem darüber und ermutigten uns gegenseitig, trotzdem weiter zum Fischen zu gehen. Aber wir machten uns dann doch Sorgen um unser Leben. "In der Gegend von Minamata ist eine seltsame, ansteckende Krankheit ausgebrochen. Wahrscheinlich ist Chisso schulde daran." Mittlerweile ist bekannt, dass Quecksilber die Ursache für den Ausbruch der Krankheit war, aber damals wusste man das noch nicht und so haben wir diese Geschichten nicht weiter ernst genommen und sind unverdrossen unserer Arbeit nachgegangen. Aber im Laufe des Jahres wurde die Situation immer schlimmer. Am meisten Sorgen bereitete uns das Auftauchen der ersten Krankheitsfälle und alle dachten: "Wie schlimm wird es denn noch werden?" Inzwischen sah man viele missgebildete Fische an der Wasseroberfläche treiben. Die Leute dachten bereits zu diesem Zeitpunkt, dass Chisso dahinterstecken würde, allerdings hat das niemand laut gesagt. Wenn wir vom Fischen nach Hause gekommen sind, haben wir die treibenden Fische alle aussortiert. Auf dem Markt haben wir die gefangenen Fische angeboten, die vorher aussortierten haben wir selber gegessen. Am häufigsten sah man Degenfische und so konnten wir so viele davon fangen, wie wir wollten. Um 1957/58 herum haben wir diese Fische gefangen und gegessen. Aber dann begannen die Katzen, die sehr viel von den Fischen fraßen plötzlich, wie verrückt herumzutanzen und zu sterben. Dies konnte man jeden Tag beobachten. Den Grund dafür habe ich erst später herausgefunden, ich bemerkte eines Tages, dass die Katzen immer die Gräten und Fischreste bekommen haben. Anscheinend sind sie daran zugrundegegangen. Man stellte schließlich Quecksilber in den Degenfischen fest. Womit wir bei dem Problem der Entschädigungen wären. Seitdem ich damit angefangen habe, mich damit zu beschäftigen, habe ich keine Ruhe mehr. Das Problem ist, dass in dem früher fischreichen Gebiet kaum noch Fische waren und man die wenigen gefangenen Fische nun auch nicht mehr verkaufen konnte. So fingen nun die Sorgen in unserer Gegend an. Wie ich bereits erwähnt habe, konnte man hier früher wunderbar leben. Aber durch dieses große Unglück hatte sich unser Leben urplötzlich verändert. Früher haben sich die Familien im Dorf alle gegenseitig geholfen, aber nun sprachen die Leute kaum noch miteinander. Über die Krankheit wurde weder im noch außerhalb des Dorfes gesprochen. "Was hat dies nur bewirkt?" dachte ich, als das Thema weder angeschnitten noch darüber gesprochen wurde. Man hat kein Leben mehr, wenn man nur noch an solche Dinge denken muss. Damals fischte ich mit einem beutelförmigen Ringfangnetz. Da man aber für einen Fang die ganze Besatzung von etwa 30 Leuten benötigte, war das für uns eine wirklich groß angelegte Arbeit. Die Ringfischerei gab es seit ungefähr 1953, aber durch die Minamatakatastrophe wurde im Shiranuimeer ab ca. 1957 wieder darauf verzichtet. Dafür konnte man dann im Ort Akune in der Präfektur Kagoshima fischen und man konnte schon fast von einer Auswanderung sprechen. Ich kam im Monat nur etwa alle 10 Tage nach Hause, ansonsten war ich in Akune und fing u.a. Stachelmakrelen und Makrelen. So ging das wohl bis etwa 1960. Etwa zu der Zeit, im November 1959 gab es in Minamata auch die Fischerunruhen. Ich erinnere mich noch, wie wir extra mit der Dampflok von Akune aus dorthin gefahren sind, um mitmachen zu können. Solche Dinge passierten nun häufiger und das familiäre Leben in Messhima veränderte sich total, denn nun fing der Kampf der Minamatapatienten von Messhima an. Heute leben in Messhima etwa 56 Haushalte, das sind etwa 2000 Einwohner. In diesen 56 Haushalten sind etwa 82 Menschen von der Minamatakrankheit betroffen. 82 anerkannte Patienten in 56 Haushalten, wenn man diese Zahlen sieht, wundert man sich schon etwas über diesen hohen Anteil. Aber alle anerkannten Patienten sind mittlerweile über 60 Jahre alt und 31 sind sogar schon verstorben. Ich spreche von einem Zeitraum von 1973/75 bis heute. 56 Mitglieder der Patientenvereinigung stammen aus Messhima. Wir 56 werden nicht durch Spenden unterstützt und nehmen dennoch an der Bewegung teil. In der Patientenvereinigung sind allerdings auch nur Leute über 50 und der Altersdurchschnitt liegt bei ungefähr 60 Jahren. Das trifft natürlich auch auf die Patienten von Messhima zu. Die "jungen Leute" zwischen 30 und 40 wurden bei Ausbruch der Minamatakrankheit geboren, aber obwohl es gerade in Messhima besonders viele Betroffene gab, hat man mit den jungen Leuten nie über die Minamatakrankheit gesprochen. Über die Vergangenheit spricht man eben nicht gerne, aber diese Einstellung fand ich von Anfang an nicht gut. Deshalb habe ich auch mit den Kindern gesprochen, nur waren die leider zunächst nicht besonders interessiert. Aber dann haben die Leute in unserer Gegend ihre Meinung geändert und fanden es auf einmal wichtig, den nachfolgenden Generationen von der Katastrophe zu berichten. Auch heute berichten sie über ihre Erfahrungen und ich möchte das nun auch an dieser Stelle auch tun. |
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