Soshisha
Das Zentrum für die Minamatakrankheit
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2. Sasaki Kiyoto: Der Ausgangspunkt ist der Tod meines Vaters

Mein Leben in Hachiman und meine persönlichen Erfahrungen mit der Minamatakrankheit

Damals hatten wir zwei Kinder, aber von meiner jüngsten Tochter habe ich seit ihrer Geburt leider nicht viel gehabt, denn sie wurde im August 1959 geboren, ich aber ging im November 1960 nach Kitakyushu und begann dort zu arbeiten.

Für den Rest der Familie, meine Eltern, meine jüngeren Geschwister, die in Messhima geblieben waren, war das Leben und die Arbeit weiterhin hart. Allerdings hatte ich auch in Kitakyushu Schmerzen, aber wenn ich zurückgekehrt wäre, hätte ich keine Arbeit gehabt, denn man konnte ja nicht mehr fischen. Mir blieb also nichts anderes übrig, als durchzuhalten und weiter für diese Firma zu arbeiten.

Da sich mein Gesundheitszustand allerdings nicht besserte, begab ich mich in ärztliche Behandlung, ging aber gleichzeitig weiterhin meiner Arbeit nach. Ich konnte leider keinen Urlaub nehmen und arbeitete trotz der Schmerzen weiter. Dass ich die Minamatakrankheit haben könnte, vergaß ich beinahe völlig. Aber dann kam in den Medien immer mehr über die Patienten der Minamatakrankheit und wenn ich zur Arbeit aus dem Haus ging, konnte ich an nichts anderes mehr denken.

Ich hatte viele Geschwister und mein jüngster Bruder ging damals, als ich von zu Hause wegging, noch in die Grundschule. Er wohnte daher noch zu Hause und erzählte mir, dass es meinem Vater sehr schlecht ginge. Aber ich konnte nichts tun, denn mein monatlicher Lohn war äußerst knapp bemessen und reichte gerade so zum Leben. Auch hörte ich von zu Hause nur Nachrichten wie: "Niemand geht mehr fischen. Alle Männer arbeiten entweder an Land, oder sind ausgewandert. Es ist wirklich niemand mehr zu Hause." Also ging es mir wohl auch nicht besser oder schlechter, als den anderen auch.

Allerdings ging es meinem Körper immer noch nicht besser. 1972/73 hörte ich dann von meinen Eltern, dass die Betroffenen in Messhima sich alle um Anerkennung als Minamatapatienten bemühen würden und ich deshalb auch sofort zurückkehren sollte und mich ebenfalls eintragen lassen sollte, wo es mir doch immer so schlecht ginge. Allerdings hatten sich damals die Gerüchte über die seltsame und furchtbare Minamatakrankheit bis nach Kitakyushu herumgesprochen. Die Leute dort fanden das auch "einfach schrecklich", aber sie wussten nicht, dass ich auch mit der Minamatakrankheit zu tun hatte, da ich ja aus Ashikita stammte und sie nicht wissen konnten, wie nah das bei Minamata lag.

Aber da ich andauernd von meiner Familie angerufen worden bin, sprach es sich schließlich - ehe man sich versah - doch im Büro herum, dass ich wohl an der Minamatakrankheit leiden würde. Von meinem Vorgesetzten bekam ich dann auch folgendes zu hören: "Hey, Sasaki, warum melden Sie sich nicht auch bei dem Minamatazeugs an?" Von da ab machten sich alle in der Firma ganz furchtbare Sorgen um mich. Auch meiner Tochter gegenüber hatte ich bisher die Minamatakrankheit noch nicht erwähnt, aber nun, da sie von der Mittel- in die Oberschule kam, bekam sie das im Fernsehen mit und war sehr besorgt.

Meine Eltern wollten, dass ich mich als Patient melde, aber meine Kinder sollten nichts davon wissen, deshalb habe ich so lange nichts unternommen und ihnen auch nichts von der Minamatakrankheit erzählt. Schließlich ging es mir immer schlechter und 2-3 Mal musste sogar ein Krankenwagen kommen und mich ins Krankenhaus bringen. 1974 kehrte ich schließlich zum ersten Mal wieder nach Messhima zurück, ließ mich registrieren und ärztlich untersuchen. Fast alle Betroffenen in Messhima hatten bereits Anträge gestellt und viele von ihnen sind angenommen worden.

Auch meinen Eltern ging es wirklich sehr schlecht, aber sie wurden nicht anerkannt, was wirklich bitter für sie war. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte.

Jedes mal, wenn sie mich anriefen: "Uns geht es gar nicht gut, bitte komm her!" stieg ich sofort ins Auto und fuhr zu ihnen, oft 2-3 Mal im Monat. Den Nachbarn fiel bereits auf, wie sehr ich mich um meine Eltern kümmerte. "Du arbeitest doch so viel in der Firma und trotzdem fährst du so oft nach Hause..." Tatsächlich war ich nach einer Weile total erschöpft.

Immer, wenn der Anruf kam, dass es Vater besonders schlecht ging, fuhr ich direkt nach der Arbeit nach Hause. Er hatte wohl nur leichte Anzeichen der Minamatakrankheit, aber eines Tages verzog sich sein Mund und er konnte kaum noch sprechen. Da wir ihn kaum verstehen konnten, wurde Mutter zum Dolmetscher für ihn. Ich dachte bei mir, ohne es laut auszusprechen: "Es wird immer schlimmer, aber wenn ich es Vater sagen würde, würde er noch mutloser werden." 1977 entschlossen wir uns endlich, ihn ins Krankenhaus zu bringen.

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